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Referenteninterviews 2019

Schlittschuhschritt verboten

Schlittschuhschritt verboten

Elias Walser, TVB-Geschäftsführer Seefeld, spricht im Interview über die Nordische Ski-WM, strategische Überlegungen und Schönheitsfehler, aus denen man lernte.

Täglich werden 250 Kilometer Loipen in Seefeld präpariert. Das entspricht der Strecke Innsbruck bis zum Gardasee. In Seefeld laufen die Vorbereitungen für die Nordische Skiweltmeisterschaft, die von 19.2. bis 3.3.2019 über die Bühne geht.

Welche Gästeschicht spricht das Langlaufen an?
Walser: In den letzten Jahren sehen wir eine Verjüngung. Die Bilder von aufrecht laufenden Winterspaziergängern mit Skiern an den Füßen verschwinden zunehmend. Der Langläufer ist ein sportlicher Gast, der sich in der freien Natur wohlfühlt, körperbewusst ist, gutes Essen, hohe Qualität schätzt und dafür auch Geld ausgibt. Es sind keine Schnäppchenurlauber, obwohl die Einstiegsbarriere (Ausrüstung, etc.) sehr niedrig ist. Ab 150,- Euro gibt es das Einsteigerset. Die Zielgruppe beginnt ab Ende 20.

Welche Maßnahmen setzt die Tourismusregion in Sachen Kooperation mit Sportanbietern, Verbänden?
Walser: Wir arbeiten mit allen Langlaufskiherstellern eng zusammen. Die Langlaufwirtschaft ist wie eine kleine Familie, da brauchen sich alle gegenseitig. Der Kuchen ist überschaubar. Am Ende des Tages profitiert jeder davon, wenn sich neue Langläufer für den Sport begeistern.

Zum zweiten Mal nach 1985 hat Seefeld nun den Zuschlag für die Nordischen Skiweltmeisterschafen erhalten. Auf welchen Erfahrungen können Sie heute aufbauen?
Walser: Unmittelbar nach der WM 85 gab es für Seefeld die besten Jahre im Tourismus. Aber es gab einen Schönheitsfehler. Damals kam mit dem Siitonen-Schritt eine neue Technik auf, die erst später zum wichtigsten Wegbereiter für die moderne Skating-Technik wurde. Das wusste man damals nicht. Um Chancengleichheit unter den Athleten zu schaffen, baute man die Loipen in Seefeld extrem steil und eng. Man hat den neuen Trend nicht erkannt. Als die WM vorbei war und wenige Jahre später Skating angesagt war, hatten wir keine geeigneten Loipen dafür. Die Seefelder dachten, sie sind Weltmeister, aber das Produkt war nicht mehr gefragt. Es gab sogar Schilder mit der Aufschrift „Schlittschuhschritt verboten“, weil man hoffte, dass der Trend wieder einschläft. Heute haben wir die Anlagen völlig anders gebaut. Nachhaltiger gedacht, damit auch Gäste und der Sportnachwuchs hier trainieren und langlaufen können.
 
Countdown bis zum 20. Februar 2019 tickt. Wie rüstet sich die Tourismusregion auf dieses Großereignis?
Walser: Jeder Einzelne im Ort arbeitet auf dieses Datum hin. Deshalb erleben wir einen riesigen Investitionsschub. Die Qualität im ganzen Ort steigt enorm. Die Region hat jetzt schon gewonnen, obwohl die WM noch nicht mal begonnen hat.

200 000 Besucher werden erwartet. Mit welcher Auslastung rechnen Sie?
Walser: Es wird einer der nächtigungsschwächsten Monate in Seefeld werden. Deshalb, weil normalerweise in diesem Monat Familien buchen. Zur WM haben wir nun vor allem Einzelzimmerbelegungen. Aber es geht nicht darum, während der 10 Tage mehr Nächtigungen zu lukrieren. Der Sport steht im Mittelpunkt.

Sie werden am Sport.Tourismus.Forum Einblicke darin geben, wie Sie die WM nachhaltig nützen wollen. Wie sieht die Strategie aus?
Walser: Solche Treffen wie in St.Gallen sind für die Branche enorm wichtig um sich auszutauschen und von einander zu lernen. Unsere Strategie: Während der WM wollen wir zeigen, dass Seefeld eine sehr breitgefächerte Wintersportdestination ist. Wir haben keine Superlative, aber wir haben einen Winterdelikatessenladen, den wir in die Auslage stellen. Wie machen wir das? Im Vorfeld wurden hochwertige Imagefilme gedreht, die jede Fernsehstation erhält. Wenn es Verzögerungen gibt oder ein Rennen verschoben wird, können sie unsere Winterbilder einspielen. Vor Ort sind viele Aktivitäten mit Journalisten geplant. Ob wir erfolgreich gearbeitet haben, werden wir nach der WM sehen. Und wir werden uns nicht ausruhen, sondern sehen die WM als Trägerrakete, die uns touristisch in eine höhere League bringt. Um dort zu bleiben müssen wir auch nach 2019 weiter Gas geben.  

Weltmeisterliche Strategien für den Tourismus

Weltmeisterliche Strategien für den Tourismus

In Tirol hat man 2018 mit der Kletter-WM und der Rad-WM gleich zwei Mega-Sportveranstaltungen auf die touristische Bühne gewuchtet. Die Latte für Yorkshire liegt hoch. Tirol als Austragungsort der Rad WM hatte alle Erwartungen übertroffen. Es war ein Sportfest der Superlative. Aber was bleibt von der Grossveranstaltung? Christian Wührer, Leiter der sport.tirol bei der Tirol Werbung, spricht im Interview über die Strategien, die Spitzenveranstaltungen und Kommunikationsmassnahmen.

Welche nachhaltige Strategie verfolgt die Tirol Werbung nach dem Grossereignis Rad WM?
Wührer: Eigentlich ist es gerade umgekehrt. Jedes Grossereignis muss immer als integraler Bestandteil einer nachhaltigen Strategie zu einem - in unserem Fall tourismusrelevanten - Thema betrachtet werden. Beim Thema Rad hat die Tirol Werbung ein breites Spektrum an Handlungsfeldern abgesteckt – von der Infrastruktur bis hin zur Kommunikation – und entsprechende Massnahmen abgeleitet. Dabei geht es nicht nur um Rennrad und Spitzensport, sondern natürlich auch um Mountainbiken und Radwandern bzw. Genussrad. Ohne diesen strategischen „Unterbau“ machen Grossereignisse ja nur bedingt Sinn. Der Spitzensport eignet sich sehr gut, das Profil zu schärfen und ist entsprechen eine wichtige Massnahme der Gesamtstrategie.
   
Sportgrossveranstaltungen als Schlüsselangebot: Welche Kommunikationsstrategie verfolgt die Tirol Werbung hier?
Wührer: Spitzensport schärft unser Profil, ist in der Spitze der Kommunikation besonders wirkungsvoll und sorgt für besonders hohe Awareness unserer Marke. Im Ski-Sport ist Tirol als Heimat des Spitzensports seit Jahrzehnten etabliert. Jahr für Jahr wird dieses Bild erneuert und verstärkt – durch Spitzenveranstaltungen wie Skiweltcup-Opening in Sölden oder die Abfahrt in Kitzbühel, aber auch jetzt durch die Nordische Ski WM in Seefeld. Aufgefangen und verlängert werden Branding-Aktivitäten durch Kommunikationsmassnahmen auf eigenen Kanälen, durch begleitende Kampagnen, durch Storytelling, Einbindung der Social Media Kanäle und nicht zuletzt auch durch die große Fangemeinde Tirols und des Spitzensports an sich, Menschen, die von sich aus die besten Fotos Tirols, der Events und des gesamten Leistungsspektrums des Urlaubslandes in die Welt tragen und hier besonders authentische Botschafter sind.

Ein Spitzenclub strahlt auf Gäste aus ganz Europa aus

Ein Spitzenclub strahlt auf Gäste aus ganz Europa aus

Max Salcher, TVB-Chef der Tourismusregion Kitzbüheler Alpen, über den erfolgreichen Doppelpass zwischen Tourismus und Fußball.

Erfolgreiche Kooperationen zwischen Sport und Tourismus stehen auch beim „Sport.Tourismus.Forums“ - dem Gipfeltreffen für Sporttourismus am 18.1. in St.Gallen – im Fokus. Wie gut diese Zusammenspiel bereits klappt, beweist die Tourismusregion Kitzbüheler Alpen. Seit sieben Jahren trainiert hier Borussia Dortmund, einer der derzeit stärksten Fußballvereine Europas. Das Engagement wurde bis 2022 verlängert. Welche Strategie dahinter steckt und wie sich das Fussballfieber auf die Tiroler Region übertragen hat, davon erzählt Max Salcher, der mit seinem Team den Ball ins rollen brachte.

Wie waren die Anfänge?
Salcher: Vor vielen Jahren haben wir uns überlegt, wie wir unsere Zielmärkte noch besser erreichen. Als Sommertourismusregion wollten wir uns im Fussball engagieren. Nach einer Analyse stand der Zielmarkt Nordrheinwestfahlen fest. Unsere Ersteinschätzung war jedoch nicht ganz richtig.

Warum?
Salcher: Weil wir dachten, dass wir damit nur das Bundesland NRW erreichen. Der BVB hat sieben Millionen Fans in Deutschland und fast 600 Fanclubs in ganz Europa. Die Markenkraft ist riesengross. Unsere Zusammenarbeit begann 2011, als der BVB Deutscher Meister wurde.

Wie sieht die Zusammenarbeit heute aus?
Salcher: Das BVB-Trainingslager findet zwar nicht mehr jedes Jahr bei uns statt. Aber der BVB hilft uns mit diversen Sponsoren und seinem Partner-Netzwerk. In der Region werden Sponsorenworkshops abgehalten, deren Marketingkraft wir auch nützen. Im Stadion haben wir die Bandenwerbung. Hinzu kommen Marketingkooperationen, Online-Kampagnen, die via Facebook über die Seite des BVB mit 16 Millionen Facebook-Fans laufen. Zu den Aktivierungsmassnahmen zählen auch die BVB-Fussballschulen mit 140 Kindern pro Jahr samt professionellen BVB-Trainern. Die Kinder reisen natürlich nicht alleine an, sondern haben im Schnitt drei Personen mit dabei, die bis zu 14 Tage in der Region übernachten. Es gibt ein jährliches Fanclubturnier und die BVB Partner-Golfturniere.

Welche Massnahmen setzten Sie als TVB?
Salcher: Wir verlosen wöchentlich Tickets für die Spiele. Diese sind heiss begehrt, weil man kaum an Stadion-Tickets kommt. Bei einer Verlosung von zwei Karten haben wir innerhalb von zwei Stunden bis zu 4.000 Newsletter-Anmeldungen. Das funktioniert sehr gut.  

Wie viele Fans haben durch den schwarzgelben Urlaub die Region für sich entdeckt?
Das lässt sich schwer in Zahlen fassen. Aber als der BVB sein Trainingscamp hier hatte, sind 1500 Fans mitgereist. Von der Oma bis zum Enkel war da alles mit dabei. Viele Fans sind heute zu Gästen geworden.

Wie profitiert die Tourismusregion davon?
Salcher: Die Zahlen von Nielsen Sports belegen einen Werbewert von über 2 Millionen Euro. Der errechnet sich allein durch Social Media und TV. Print ist da noch nicht dabei. Unser eingesetztes Kapital wird um ein Vielfaches retourniert. Der Faktor bewegt sich zwischen sieben und neun. Ein sehr gutes Ergebnis.
 
Ist die Nachfrage von Vereinen durch diese Kooperation gestiegen?
Salcher: Wir werden laufend kontaktiert. Es gibt Erstligisten aus England, der Türkei und Italien, die genau dasselbe Paket haben wollen. Die Nachfrage ist grösser als unser Angebot an Fussballplätzen. Derzeit gibt es neben unserer BVB-Kooperation auch Hotelkooperationen mit dem Championsleague-Teilnehmer Victoria Pilsen und dem Premier-Ligisten Huddersfield aus England.

Was braucht eine erfolgreiche Sporttourismusstrategie?  
Salcher: Fünf Dinge: Einen verlässlichen Wirtschaftspartner, eine Spitzenveranstaltung, lokale Spitzensportler, ein gutes Angebot und die entsprechend positive Gesinnung der Bevölkerung. Besonders beim Thema Rad sind wir mit dieser Strategie gut gefahren.  


Referenteninterviews 2018

"just a logical step forward in an industry that needed change"

"just a logical step forward in an industry that needed change"

Daniel Salmanovich, Founder The Arcade Hotel, speaks about the connection of eSports and tourism and what the idea of his hotel can offer to the gaming community and industry.

What inspired you to realize a “Gamer-Hotel” a how is it accepted by the community?
D.S.: The idea just came to me after travelling so much for work. No one cares about the gamers. Its normal that hotels offer TV/Movies to the guest via netflix, Apple TV etc… but why aren’t there any gaming consoles. So it was just a logical step forward in an industry that needed change. As for the community, it depends on which community you mean. From the hospitality sector, we haven’t received much notice, but from the gaming community, we are on top of the fucking world. I built this place for gamers but also and most importantly, the gaming community and industry. These are the people who allow us to visit worlds of spectacle and imagination, the people who transform us into Barbarians with magical powers. So this place because the place for them to meet, converse, and create.

What do you offer your Guests? Playstation instead of Spa?
D.S.:
In every room you can find an Nvidia Shield multi media streaming box. Built in with Netflix, youtube, spotify, etc.. and Geforce which is like the Netflix for gaming so you can stream AAA games at anytime. As well, you will find at least 1 retro console in your room in case you felt like reliving the classics. All new consoles are outfitted with Sennheiser gaming Headphones. In the public spaces, it is mostly retro - the lobby has 4 retro consoles and 4 old school tv’s, In the comic library you can find a raspberry Pi which looks like an old coin-op dashboard with over 15000 games built in from every console up until 1994. Then we have the Game Room which is fitted with 6 top of line MSI Pc’s with the most ridiculous peripherals + Virtual reality + Playstation 3 and 4, Xbox 360 and Xobx one and a Nintendo Switch.

Which opportunities does eSports offer as a Tourism-idea?
D.S.:
E-sports are becoming the norm, it will take quite a few more years to reach the level of “Normal” sports, but E-sports which is mostly done in teams, brings people from all over the world to compete just like many other sports tournament and the tourism that follows with it. The cool thing about E-sports is that usually a team consist of 5-6 people who don’t live in the same city or even the same country. If this “team” had to meet in Europe (with players from Africa, NA, or even Asia), they would lets say compete in germany but meet at the Arcade Hotel for 3 days before going there to hang out, train in person, strategies all in the same room as opposed to online. So this can be looked at from many perspectives and various reasons as to why E-sports can bring an increase in tourism.

"Die Realität bekommt eine weitere Dimension"

"Die Realität bekommt eine weitere Dimension"

Welche Bedeutung Drohnen-Rennen als neue Sportevents für den Tourismus bieten, darüber spricht Herbert Weirather, CEO Drone Champions League, im Interview.

Herr Weirather, welche Chancen bieten Drohnen-Rennen für Tourismusdestinationen?
H.W.: Ich glaube, die große Chance für den Tourismus ist einmal neue Zielgruppen und Zuschauer zu erreichen. Zudem kann sich die Destination als innovative Rennsport-Destination positionieren. Dies birgt langfristig große Chancen, da sich der Sport rasch entwickelt. Derzeit haben wir zwischen 3000 und 5000 Zuschauer pro Standort. Das kann zukünftig stark wachsen, wodurch man den direkten Return on Investment dann sieht. Der Hauptwert für die Tourismus Region ist sicherlich die mediale Aufmerksamkeit, weil wir rund um die Welt große Reichweiten erzielen und dies dementsprechend ein perfektes und sehr günstiges Marketing für eine Tourismusdestination ist.

Wie wird eine Tourismusdestination zum „Place to go“ für Drohnenrennen?
H.W.: Zu Beginn denke ich, dass es ein Engagement und eine Affinität von der Destination aus braucht, um das Ganze zu genehmigen. Dann gibt es natürlich einige organisatorische und finanzielle Punkte im Vorhinein abzuklären. Jedoch denke ich, dass die Wahrscheinlichkeit in unserem Rennkalender aufgenommen zu werden jetzt noch größer ist, als in Zukunft. Sobald unsere Tour-Stopps fixiert sind, sind wir nur noch beschränkt in der Lage den Kalender zu ändern. Unser Ziel ist es, möglichst langfristige Verträge mit den Locations abzuschließen, um den Erstaufwand gering halten zu können und sich der Aufwand dann lohnt.

Wie groß schätzen Sie die Szene des Drohnensports im deutschsprachigen Raum ein?
H.W.: Die Szene ist aktuell noch klein. Ich schätze, dass ca. 50.000 aktive deutschsprachige Piloten den Sport ausüben.
 
Stichwort Aufmerksamkeit: Wie wird das Drohnenrennen medial wahrgenommen?
H.W.: Es ist natürlich eine Sportart, die sehr stark im Trend ist. Es ist eine Art von Sport die man überall betreiben kann - im Gegensatz zu einem Skirennen, wo es natürlich Schnee, Berge, etc.  braucht. Zudem ist die Einstiegsbarriere in den Sport sehr gering. Das heißt, das Potential ist natürlich enorm, dass sich der Sport auf Dauer sehr gut entwickeln kann.

Wie sieht das Zielpublikum aus?
H.W.: Das Zielpublikum ist hauptsächlich männlich, aber es ist ein schöner Vater-Sohn-Sport. Daher ist Altersverteilung recht breit. Die Hauptzielgruppe zwischen 26 und 35 Jahren alt ist.

Kann man bald von Breitensport reden?
H.W.: Ich denke schon. Derzeit ist das gesamte Thema noch relativ komplex. Das Fliegen zu lernen ist am Anfang schwierig. Aber durch unser Drohnen Rennspiel und unterschiedlichsten Flughilfen ist das Potential groß.
 
Welche Rolle werden die Digitalisierung und Gaming künftig für den Tourismus haben?
H.W.: Die Digitalisierung und Gaming sind im Tourismus als Marketingaktivität nicht zu unterschätzen. Diese Themen schaffen ein anderes Bewusstsein bei den Nutzern. Der reale Drohnen-Event kann als Videospiel nachgespielt werden. Gerade für Tourismusdestinationen ist das von großem Vorteil, da wir die Locations digital nachbilden und der Gamer dann in Reutte, Paris oder sonst wo spielt. Ich denke, dass ist eines der besten Marketingtools, da der Nutzer das Spiel bereits einmal grob kennen lernt und es dann in der Realität auch sehen will.
 

"Künftig die Skipiste im Vorhinein per VR fahren"

"Künftig die Skipiste im Vorhinein per VR fahren"

Daniel Luther, Projektleiter Digital ESB Marketing Netzwerk, ist einer der gefragtesten eSport-Berater Europas. Für Tourismusdestinationen sieht der eSport-Experte ein enormes Potential mit neuen Zielgruppen und Markenbotschaftern

Wie groß schätzen Sie die eSport-Szene im deutschsprachigen Raum ein? Gibt es Zahlen?
Es gibt keine verlässlichen Zahlen über die Anzahl der eSport-Fans in Deutschland, gleichwohl viele Indikatoren, die eine Richtung vorgeben. Oft verwischt die Definition zwischen Gamern und eSportlern, das muss man sich so vorstellen, Gaming ist der Breitensport und eSport dann die jeweilige Spitze davon, der leistungsbezogene Wettkampf, also Spitzensport. Die Plattform Twitch verzeichnet 6 Millionen Unique User in der DACH-Region, davon ist ein großer Teil eSport begeistert. Ähnliche Zahlen weist die Spieleplattform Steam auf. Hier sind 11 Millionen aktive Accounts in Deutschland registriert. Selbst bei vielen Doppelnutzern, ist die Zahl beachtlich, denn Spieler von League of Legends und FIFA fallen hier nicht zwangsläufig drunter. Am Ende steht das Fazit, dass wir in Deutschland mehrere Millionen eSport-Fans haben.

Welche Chance bietet eSport für den Tourismus?
Vielschichte Frage, dessen Antwort in ich vier Bereiche unterteile. Es fängt bei den kleinen Events an. Bestehende Events können durch kleinteilige eSport-Konzepte sinnvoll erweitert werden, neue Zielgruppen werden erschlossen und Events diversifiziert. Mittelgroße eSport-Events, bspw. LAN-Events, ziehen in der Schweiz u.a. mehr als 1.337 Teilnehmer an. Solche Events sind für viele Tourismusregionen logistisch stemmbar. In der Spitze reden wir von Mega-Events. Nach Angaben der ESL hat das Dota2-Turnier in der Commerzbank-Arena in Frankfurt mehr als 20.000 Übernachtungen generiert. Das Intel Extreme Masters in Katowice lockte 173.000 Besucher in die Region.
Abschließend ist der Bereich des Influencer-Marketings nicht zu vernachlässigen. Die eSport-Influencer sind Stars ihrer Zielgruppe. Mehrere Millionen Follower auf den Socialen-Kanälen machen sie zu idealen Verkäufern und Markenbotschaftern. Der Tourismus kann sich über diesen Weg sinnvoll in Szene setzen, seine Stärken ausspielen und Image-Kamapagnen fahren.

Stichwort Aufmerksamkeit: Wie wird eSport medial wahrgenommen?
In den letzten Jahren hat ein Wandel stattgefunden. Die Killerspieler von gestern, sind die Stars von heute. Vorbehalte sind trotzdem weiterhin vorhanden. Spiele wie Counter Strike werden kritisch betrachtet. Generell ist es für den eSport aktuell aber dennoch spannend neue Zielgruppen zu erschließen, dies kann über traditionelle Medien gut gelingen.

Wie viele Zuseher begeistern sich vor Ort für die eSport-Events? Wie sieht das Zielpublikum aus?
Die größten eSport-Events ziehen in Deutschland 20.000-30.000 Leute in die Stadien und Hallen. International war gerade erst das Olympiastadion in Peking mit 40.000 Zuschauern besucht und vor wenigen Jahren das WM-Stadion in Seoul mit knapp 50.000 Besuchern gefüllt. Der Turnierzirkus im eSport gibt mittlerweile 20-30 Megaevents pro Jahr her.

Das Zielpublikum ist Mitte Zwanzig, 20-30% sind weiblich, überdurchschnittlich gebildet und vermögend. Kann man bald von Breitensport reden?
Der DFB versammelt 91.000 Vereine unter seinem Dach. eSport ist anders strukturiert. Unser Vereinshaus heißt Teamspeak, unser Fußballplatz ist das Internet. Die klassischen Strukturen des Breitensports treffen bisher nur in wenigen Fällen zu. Es gibt tatsächlich eSport-Vereine als auch mehr und mehr Breitensportvereine begreifen den eSport als Chance. Breitensport würde ich demnach nur als Synonym nutzen.

Wie wird eine Tourismusdestination zum „Place to go“ für eSport?
eSport ist international, die Events leben vom Publikum und der Stimmung. Viele Faktoren sind von der Destination nicht maßgeblich abhängig, weshalb es schwierig ist, diesen Status zu erreichen. Die bisherigen eSport-Events haben enorm viel Luft nach oben, wenn es um die Aktivierung des Publikums geht. Hier sehe ich gute Chancen für Destinationen, die ein passendes Rahmenprogramm anbieten.

Beispiel The Arcarde Hotel Amsterdam: Welches Potential bietet Gaming für den Tourismus?
Gaming kann eine enorme Aufwertung für die Hotelindustrie werden. Wer kennt es nicht, dass man abends auf einer Geschäftsreise alleine auf dem Zimmer sitzt und vom Tag geschlaucht ist. Sich dann nicht vor den Fernseher zu setzen, sondern sich mit den Freunden daheim per Internet zum gemeinsamen Game verabreden, wertet die Zeit enorm auf. In Asien gibt es solche Hotels bereits, die holländische Version lernen wir beim Tourismus-Forum kennen. Ich bin mir sicher, dass dieser Weg von vielen Hotels in den nächsten Jahren gegangen wird.

Welche Rolle werden Digitalisierung/Gaming/neue Technologien künftig für den Tourismus haben?
Die Möglichkeiten sind grenzenlos. Künftig die Skipiste im Vorhinein per VR zu fahren, das Hotelzimmer bereits zu inspizieren und dann abends zum Ausklang eine Runde eSport.

„Wir verstehen unser Fach"

„Wir verstehen unser Fach"

MS Sports hat im letzten Jahr 150 Sportcamps, mit über 8.000 Kindern veranstaltet. Mario Sager, CEO, MS Sports, beantwortet drei Fragen über Sponsoren, die Bedeutung des Standorts und die Auswirkungen auf Tourismuszahlen.

Mit Volkswagen und Erima konnten Sie zwei hochkaratige neue Sponsoren gewinnen. Weshalb boomen Sportcamps?

M.S.: Im Allgemeinen kann man bei Sportcamps nicht von einem Boom sprechen, einige Anbieter sind in den letzten Jahren von der Bildfläche verschwunden. Unsere Camps von MS Sports boomen, da wir dank den Sponsoren und Partnern ein unschlagbares Preis-Leistungsverhältnis für die Familien anbieten können. Weiter sind wir selber Sportler mit grossem Herzblut. Wir verstehen unser Fach, deshalb haben die Camps organisatorisch und auch sportlich eine hohe Qualität.

Die Eltern und Kinder spüren unsere Leidenschaft und empfehlen uns weiter, daher hatten wir letztes Jahr 9239 Kinder. Volkswagen und Erima konnten wir daher begeistern zu uns in Boot  zu steigen. Wir sind überglücklich, dass uns VW und Erima das Vertrauen schenken.

Was muss ein Standort bieten, um als „Sportcamp“ in Frage zu kommen?
M.S.: Grundsätzlich geht es weniger um die Grösse oder Ausstattung der Infrastruktur sondern viel mehr um die Menschen lokal vor Ort, welche sich für die Kids einsetzen möchten und uns die Chance geben, ein tolles Camp auf die Beine zu stellen.

Damit wir das Camp den Kids kostengünstig anbieten können, ist auch wichtig, dass die Region oder der Standort nicht die finanziellen Interessen in den Vordergrund stellt. Den Mehrwert für die lokale Bevölkerung oder den Tourismus muss erkannt werden.

Welche Auswirkungen haben Sportcamps auf Tourismusdestinationen?

M.S.: Ich bin kein Experte in Sachen Tourismus. Ich kann aber ein Beispiel nennen. Wir haben in den Sommerferien ein Fussballcamp in Schluein/Ilanz Kanton Graubünden. Für die Kinder ist es ein Tagescamp (5 Tage) ohne Übernachtung. Von den 150 Kids welche teilnehmen, sind aber lange nicht alle in der Region wohnhaft. Viele Kids stammten z.B. aus dem Kanton Zürich. Die Eltern machten Ferien in Ilanz und die Kids können bis 16 Uhr ins Camp. 

Unser 15-köpfiges Leiter- und Trainerteam hat in Ilanz übernachtet, es ist jeweils nicht so schwer Ferienhäuser und Unterkünfte zu finden, da genügend Bette leer sind. Daher tragen wir auch in dieser Hinsicht etwas zum Tourismus bei.

Herzlichen Dank und weiterhin viel Erfolg beim Kontakte knüpfen!

"Radsporttourismus ausserhalb der klassischen Badeferiensaison"

"Radsporttourismus ausserhalb der klassischen Badeferiensaison"

Im Interview mit Urs Weiss, CEO Huerzeler Bicycle Holidays, erfahren wir, was es braucht um auf einer Tourismus-Destination ein Fahrrad-Mekka zu machen.

Welche Voraussetzungen müssen gegeben sein um eine Destination für den Fahrrad-Sport attraktiv zu machen?
U. W.: Dazu braucht es sicherlich einen guten Mix aus verschiedenen Anforderungen wie z.B eine attraktive Landschaft mit geeigneter Topographie und ausgezeichnetem Strassennetz. Ein für Mitteleuropäer angenehmes und trockenes Klima..
Eine gut funktionierende und ansprechende Hotelinfrastruktur und nicht zu unterschätzen, eine einfache, speditive Anreise zum Ferienziel. Radsportgäste wollen ihre Ferientage zum Radfahren nutzen und nicht stundenlange Anfahrtswege auf sich nehmen.

Welche wirtschaftliche Bedeutung schreiben Sie dem Radsport-Tourismus für Mallorca zu? Sehen Sie die Gefahr eines „Overkills?“
U. W.: Der Radsporttourismus ist in der touristischen Vorsaison Mallorcas nicht mehr wegzudenken. Auch hat die Entwicklung des Radsports auf Mallorca massgeblich beigetragen, dass Hotels heute früher als noch vor 30 Jahren ihre Hotelsaison eröffnen können. Arbeitsplätze ausserhalb der klassischen Badeferiensaison konnten geschaffen werden. In diesem Sinne hat dieses touristisches Segment ihre klare wirtschaftliche Bedeutung. Die Insel ist nicht zu klein und nicht zu gross – die Radsportler verteilen sich auch in der Hauptsaison sehr gut auf dem ausgezeichneten Strassennetz – die Gefahr eines „Overkills“ schalte ich aus.

Werden Sie von öffentlichen Tourismusorganisation aus Mallorca gefördert?
U. W.: Wir stehen in gutem Kontakt mit diversen Behördenstellen auf Mallorca; bringen Wünsche und Bedürfnisse vor allem für die Qualität des Strassennetzes ein. Unser Geschäftsmodell bestreiten wir aber aus rein eigenen Mitteln.

Vielen Dank für das Interview!