Schlittschuhschritt verboten | SPORT.TOURISMUS.FORUM Share & Win

Schlittschuhschritt verboten

Schlittschuhschritt verboten

13. Januar 2019

Elias Walser, Geschäftsführer des Tourismusverbandes Seefeld, spricht im Interview über die Nordische Ski-WM, strategische Überlegungen und Schönheitsfehler, aus denen man lernte.

Täglich werden 250 Kilometer Loipen in Seefeld präpariert. Das entspricht der Strecke von Innsbruck bis zum Gardasee. In Seefeld laufen die Vorbereitungen für die Nordische Ski-WM, die von 19.2. bis 3.3. über die Bühne geht.

Welche Gästeschicht spricht das Langlaufen an?
Elias Walser:
 In den letzten Jahren sehen wir die Verjüngung. Die Bilder von aufrecht laufenden Winterspaziergängern mit Skiern an den Füßen verschwinden zunehmend. Der Langläufer ist ein sportlicher Gast, der sich in der freien Natur wohlfühlt, körperbewusst ist, gutes Essen, hohe Qualität schätzt und dafür auch Geld ausgibt. Es sind keine Schnäppchenurlauber, obwohl die Einstiegsbarriere (Ausrüstung, etc.) sehr niedrig ist.

Welche Maßnahmen setzt die Tourismusregion in Sachen Kooperation mit Sportanbietern und Verbänden?
Walser:
 Wir arbeiten mit allen Langlaufskiherstellern eng zusammen. Die Langlaufwirtschaft ist wie eine kleine Familie, da brauchen sich alle gegenseitig. Der Kuchen ist überschaubar. Am Ende des Tages profitiert jeder davon, wenn sich neue Langläufer für den Sport begeistern.

Zum zweiten Mal nach 1985 hat Seefeld den Zuschlag für die Nordische Ski-WM erhalten. Auf welche Erfahrungen bauen Sie auf?
Walser:
 Unmittelbar nach der WM 1985 gab es für Seefeld die besten Jahre im Tourismus. Aber es gab einen Schönheitsfehler. Damals kam mit dem Siitonen-Schritt eine neue Technik auf, die erst später zum Wegbereiter für die moderne Skating-Technik wurde. Das wusste man damals nicht. Um Chancengleichheit unter den Athleten zu schaffen, baute man die Loipen in Seefeld extrem steil und eng. Man hat den neuen Trend nicht erkannt. Als die WM vorbei war und wenige Jahre später Skating angesagt war, hatten wir keine geeigneten Loipen dafür. Die Seefelder dachten, sie sind Weltmeister, aber das Produkt war nicht mehr gefragt. Es gab sogar Schilder mit der Aufschrift "Schlittschuhschritt verboten", weil man hoffte, dass der Trend wieder einschläft. Heute haben wir die Anlagen völlig anders gebaut, nachhaltiger gedacht, damit auch Gäste und der Sportnachwuchs hier trainieren und langlaufen können.

Der Countdown bis zum 20. Februar tickt. Wie rüstet sich die Tourismusregion für dieses Großereignis?
Walser:
Jeder Einzelne im Ort arbeitet auf dieses Datum hin. Deshalb erleben wir einen riesigen Investitionsschub. Die Qualität im ganzen Ort steigt enorm.Die Region hat jetzt schon gewonnen, obwohl die WM noch gar nicht begonnen hat.

200.000 Besucher werden erwartet. Mit welcher Auslastung rechnen Sie?
Walser:
 Es wird einer der nächtigungsschwächsten Monate in Seefeld werden, weil normalerweise in diesem Monat Familien buchen. Zur WM haben wir nun vor allem Einzelzimmerbelegungen. Aber es geht nicht darum, während der zehn Tage mehr Nächtigungen zu lukrieren. Der Sport steht im Mittelpunkt.

Sie werden am SPORT.TOURISMUS.FORUM Einblicke darin geben, wie Sie die WM nachhaltig nützen wollen. Wie sieht die Strategie aus?
Walser:
Solche Treffen wie am 18. Jänner in St. Gallen sind für die Branche enorm wichtig, um sich auszutauschen und voneinander zu lernen. Unsere Strategie: Während der WM wollen wir zeigen, dass Seefeld eine breitgefächerte Wintersportdestination ist. Wir haben keine Superlative, aber wir haben einen Winterdelikatessenladen, den wir in die Auslage stellen. Im Vorfeld wurden hochwertige Imagefilme gedreht, die jede Fernsehstation erhält. Wenn es Verzögerungen gibt oder ein Rennen verschoben wird, können sie unsere Winterbilder einspielen. Vor Ort sind viele Aktivitäten mit Journalisten geplant. Ob wir erfolgreich gearbeitet haben, werden wir nach der WM sehen.